Land und Leute - Die große MäMa-Reportage
Wo Schafe morgens Wecker spielen
Unterkunft der ausgefallenen Art: Barbara Brunat schaut aus einem der zwei Schäferwagen, die eine gemütliche Schlafstätte sind.
Von Thomas Berger
Fotos: Thomas Berger
Wer eine Nacht auf dem Erlenhof verbringt, muss keinen Wecker stellen. Denn draußen steht gleich mehr als ein Dutzend davon, grast auf der Wiese und lässt schon frühmorgens seine Rufe erschallen. „Mäh. Määh. Määäh!" Naturverbundener als durch die kleine Schafherde kann wohl kaum jemand aus dem Traumreich geholt werden. Und sollte einer tatsächlich abends Schwierigkeiten beim Einschlafen haben, fällt das Schafezählen hier ganz besonders leicht …
Unterkunft im Schäferwagen, das mag ein wenig gewöhnungsbedürftig sein. Doch wer es erst einmal versucht hat, der ist begeistert, weiß Barbara Brunat. Schließlich ist sie es, die immer mehr Interessenten dieses ausgefallene Angebot unterbreitet. Auf dem Erlenhof in Kienitz-Nord, nur eine Winzigkeit vom Fluss entfernt im tiefsten Oderbruch, fernab der Großstadt mit all ihrer hektischen Betriebsamkeit, der Reizüberflutung, dem Lärm und Stress. Abschalten lässt sich hier, entspannen im Grünen. Und das hat schon so manchen gelockt.
Barbara Brunat ist von Hause aus Kinderkrankenschwester, war 30 Jahre teils in leitender Position in diesem Job tätig. Ihr Mann ist bei der Bahnverwaltung, hat vormals Immobilien – wie alte Bahnwärterhäuschen – verkauft. Auf diese Weise ist das Paar von Berlin ins Oderland gekommen. Dass sie Eltern und Schwiegereltern zu sich holen wollten, die aus Süddeutschland kommen, habe ebenfalls eine Rolle gespielt. „Mein pflegebedürftiger Vater lebt jetzt hier bei uns", erzählt Barbara Brunat, die Schwiegermutter habe ein Stückchen weiter in einem Bahnwärterhaus ihr eigenes kleines Reich, in dem sie sich wohlfühlen könne.
Gereizt habe vor allem das Blockhaus. Selbst wollten sie sich so etwas bauen, dann ergab sich die Gelegenheit, dass der Vorbesitzer das Grundstück verkaufen wollte – also griffen sie zu. Viel mit Gruppen auf Reisen gewesen sei dieser Mann, habe sich aus fernen Ländern so manches für den Garten mitgebracht. Zum Beispiel die Bambusstaude, ein inzwischen wahrhaft riesiges Exemplar, dessen hochaufgeschossene schmale Stämmchen sich mit den Blättern im Wind wiegen.
Marmelade habe sie immer schon gern gekocht, aus dem, was an Früchten so aus eigenem Anbau zur Hand war. „Verkauft wurde die dann unter anderem auf dem Weihnachtsmarkt der Kinderklinik", blickt Barbara Brunat zurück. Im Oderbruch hat sie das intensiviert, und irgendwie kam eines zum anderen. Dass sie wegen des Vaters und der immer umfassenderer Pflege den Job ganz aufgeben musste. Dass Brunats sich als natürliche Rasenmäher auf dem ausgedehnten Grundstück die ersten Schafe anschafften. Und dass sie schließlich in der Letschiner Heimatstube an einem Spinnkurs teilnahm, teilweise parallel sogar noch einen zweiten bei der Domäne Dahlem in Berlin besuchte.
„Barbaras Lädchen" ist nun mit all diesen Produkten bestückt, die in diesem Zusammenhang entstehen. Nicht nur Marmelade, sondern auch noch Liköre und anderes aus natürlichen Grundstoffen, Wollwaren und Schafmilchseife, Schäfchen als Motiv in unterschiedlichster Formen, vom Plüschtier bis hin zur Deko aus Keramik. Ergänzt um vieles mehr, was das Sortiment rund macht, das Angebot komplettiert – neben den selbst gestrickten Socken ist somit sogar die „Berliner Bohne", also Kaffee aus fairem Handel, bei ihr erhältlich.
Wer will, kann denn auch gleich zum Kaffeeklatsch auf den Erlenhof kommen. Anfangs war das nur ein Angebot für Frauen, berichtet Barbara Brunat. Doch seit dann mal ein Mann bedauerte, dass er ja quasi ausgeschlossen werde, finden auch Gespräche in gemischten Runden statt. Hinzu kommen die Handarbeitskurse, bei denen es bereits einen festen Stamm an Teilnehmern gibt.
Es war im November 2008, als sich das Ehepaar den ersten Schäferwagen holte – es ist der kleinere der heute zwei Exemplare, die auf dem Hof stehen. Ob jemand tatsächlich darin nächtigen wollen würde, schien ja anfangs nicht klar, es war schlicht ein Experiment. Doch die Idee ging auf: „Alle waren begeistert und schwärmten, das sei so eine schöne Atmosphäre." Also kam im Herbst 2009 der zweite Wagen hinzu. Im Frühjahr wurde jetzt noch die Grillhütte gebaut, auch in ihr lässt sich schlafen, wird gerade noch eine zweite Sitzbank für diesen Zweck verbreitert. Immer waren es Besucher, die mit ihren Nachfragen Erweiterungen auslösten. Zum Beispiel Kunden, die wissen wollten, ob es nicht auch ein Zimmer zur Übernachtung gebe.
Die Schafherde ist auf aktuell 27 Tiere angewachsen, im September werden einige ältere Schafe und Lämmer geschlachtet. Sehr beliebt sind Schaffleisch-Salami und ähnliche Produkte: „Im Frühjahr war die binnen 14 Tagen so schnell ausverkauft, dass nicht einmal mein Mann etwas abbekommen hat", erzählt Barbara Brunat mit einem Lächeln.
Neben den monatlichen Kursen und Kaffeeklatsch-Nachmittagen gibt es auch noch Sonderveranstaltungen. Die nächste ist am 21. August ab 13 Uhr das große Hoffest rund um Schaf und Spinnrad, mit Kaffee, Kuchen und Livemusik.
(Erlenhof/Barbaras Lädchen, Kienitzer Oderstr. 51, Kienitz-Nord, Tel. 033478/38980, www.erlenhof-im-oderbruch.de)
Artikel- Schäfchen zählen im Schäferwagen - in der MOZ im November 2008: Hier
Artikel - Wenn die Stricknadeln klappern- in der MOZ am 04.03.2009: Hier
Start in die Saison 2009 auf dem "Erlenhof im Oderbruch" am 05.04.2009!
Artikel - Spinnstunde in Kienitz - in der MOZ vom 24.08.2009: Hier
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Berliner Kurier, 13. November 2009
Sch(l)af gut
Kuschelig: Eine Nacht im Schäferwagen
Stefanie Hildebrandt
Kienitz - Wer kam eigentlich auf die blöde Idee, Schäfchen zu zählen? Abends kurz nach elf ist es in so einem Schäferwagen so dunkel, dass man weder die Hand vor Augen noch einen einzigen weißen Lämmerschwanz sieht. Hören kann man die Tiere dafür umso besser.
Hinterm Haus blöken die Schafe der Familie Brunat einen Gute-Nacht-Gruß. Im Schäferwagen kriege ich vor lauter Aufregung kein Auge zu. Überall raschelt und rauscht es. Die Wolken ziehen schnell, das Öfchen in der Ecke hat die Luft auf sieben Grad erwärmt. Und doch ist es einfach nur wunderbar gemütlich.
Bei Barbara und Karl-Heinz Brunat im Oderbruch kann man noch echte Schäferromantik erleben. Auf ihrem Erlenhof stehen zwei kleine Wagen ganz aus Holz, wie sie die Wanderschäfer jahrhundertelang nutzten.
Obwohl so ein Original-Schäferwagen mit echter Schafwolle isoliert ist, hilft gegen die neblige Novembernacht-Kälte heute eigentlich nur eins: warmkuscheln.
Auch das ist ein Grund, warum man so eine Nacht im Schäferwagen am besten mit jemandem verbringen sollte, den man gut leiden kann. Auf ungefähr sechs Quadratmetern finden ein Bett, der Ofen, ein Lämpchen und zwei kleine Sitzbänke Platz. Und ehrlich, mehr braucht man hier auf dem Erlenhof nicht zum Glücklichsein.
Brunats haben sich hier ein Stück heile Welt geschaffen, das sie gern mit Gästen teilen. "Ein Geschenk, das wir zu schätzen wissen", schmunzelt Karl-Heinz Brunat. Am Morgen weckt mich Leitschaf Lisa mit Glockengebimmel. Über die Oder ziehen schnatternd Wildgänse. Es riecht nach nassem Laub.
Info: www.erlenhof-im-oderbruch.de
weitere informationen zum Schäferwagen finden Sie HIER.
Zwei Schäferwagen nach historischem Vorbild stehen zur Übernachtung bereit. Dazwischen grast kein Schaf, sondern Schafpudel Emmi. Fotos: Lebie
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Barbara und Karl-Heinz Brunat halten über zwanzig "Skudden", eine alte ostpreußische Rasse.
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Herr und Frau Brunat (05.04.2009)
Geglückter Start in die Saison 2009
Saisonstart am 05.04.2009
und viele Gäste sind gekommen



